Fluxus East

Fluxus-Netzwerke in Mittelosteuropa

Henie Onstad Kunstsenter | Sonja Henies vei 31 | 1311 Høvikodden | 28. Oktober 2010 – 27. Februar 2011 (vorläufig)

Fluxus ist als (anti-)künstlerisches, internationales Netzwerk mit Zentren in den USA, Westeuropa und Japan bekannt. Aber wie stand es um die „intermediale“, Musik, Aktionen, Poesie, Objekte und Events umfassende Kunst jenseits des „Eisernen Vorhangs“? Welchen Widerhall fand Fluxus in den Staaten des ehemaligen Ostblocks und welche Parallelentwicklungen gab es?
Fluxus als „Aktionsprogramm“ – so der Exil-Litauer und selbst ernannte „chairman“ George Maciunas in einem Brief an Nikita Chruščev – sei prädestiniert, eine Einheit zwischen den „konkretistischen“ Künstlern der Welt und der „konkretistischen“ Gesellschaft der UdSSR herbeizuführen. Maciunas plante Fluxus als Kollektiv nach dem Vorbild der russischen LEF (Linke Front der Künste). Doch die in ausgefeilter kommunistischer Rhetorik in Manifesten und Briefen entwickelten Pläne – z.B. eine Performance-Reise der Künstler mit der Transsibirischen Eisenbahn – sollten Utopie bleiben. Ein anderes Fluxus East entwickelte sich seit 1962 im kreativen Austausch zwischen Fluxus-Künstlern und Künstlern/Musikern des ehemaligen Ostblocks und mündete unter anderem in Konzerte mit Fluxus-Kompositionen des Polnischen Radios (1964), in Fluxus-Konzerte in Litauen (1966), Prag (1966) und Budapest (1969) sowie ein späteres Fluxus-Festival in Poznań (1977).
Fluxus East ist eine erste Bestandsaufnahme der vielfältigen Fluxus-Aktivitäten im ehemaligen Ostblock; die Ausstellung zeigt Parallelentwicklungen und künstlerische Praktiken, die von Fluxus inspiriert waren und noch heute von jüngeren Künstlern aufgenommen werden. Neben „klassischen“ Fluxus-Objekten werden Fotografien, Filme, Korrespondenzen, Geheimpolizeiakten, Interviews, Musikaufnahmen gezeigt, die die Präsenz von Fluxus im ehemaligen Ostblock dokumentieren. Als interaktive Ausstellung will Fluxus East die intensive Begegnung mit Ideen, Arbeiten, Texten – teils als Faksimile zum intensiven Studium – ermöglichen. Die Ausstellung ist ein fortlaufendes, sich weiter entwickelndes Rechercheprojekt, das jeweils an die lokalen Gegebenheiten angepasst wird und aktuelle Forschungsergebnisse miteinbezieht.

Impressum DE | EN