Fluxus East

Fluxus-Netzwerke in Mittelosteuropa

Henie Onstad Kunstsenter | Sonja Henies vei 31 | 1311 Høvikodden | 28. Oktober 2010 – 27. Februar 2011 (vorläufig)

Milan Knížák

1940 geboren in Pilsen, Tschechien
Lebt in Prag

Knížák wollte zunächst Maler werden, brach aber 1962 sein Kunststudium ab. In diesem Jahr entstanden auch die ersten Environments auf Straßen und Hinterhöfen. Gemeinsam mit Jan Mach, Vít Mach, Sonia Švecová, Jan Trtílek und Robert Wittmann gründete er 1964 die Gruppe Aktuální umění (Aktuelle Kunst), die 1966 die „Kunst” aus ihrem Namen strich und sich fortan nur noch Aktual nannte. Aktual trat mit zahlreichen Aktionen hervor, die das Zufallspublikum mit einbezogen, so der Spaziergang durch die Neue Welt (Nový Svět) und die Demonstration eines Einzelnen (beide 1964). Neben ihren Aktionen gab die Gruppe Flugblätter, Samizdat-Zeitschriften und Objekte in kleinen Editionen heraus. Aktual proklamierte eine vollkommene Vereinigung von Kunst und Leben und stellte den Menschen, seine Aktionen und seine Bewusstwerdung in den Mittelpunkt des Interesses.

Milan Knížáks Kontakt zu Fluxus entstand 1965 durch die Vermittlung des tschechischen Kritikers Jindřich Chalupecký. Schnell wurde Knížák von Maciunas zum „Director Fluxus East” befördert – dabei war seine Haltung gegenüber Fluxus immer kritisch, da er viele Aktionen und ihr Setting im klassischen Bühnenraum als künstlich empfand. Im Oktober 1966 organisierte Knížák das Fluxus-Konzert in Prag, in dem er mit Ben Vautier, Jeff Berner und Serge Oldenbourg sowie Dick Higgins und Alison Knowles auftrat. George Maciunas lud Knížák bereits 1965 in die USA ein, aber erst 1968 erhielt er das Visum. In New York nahm er an den dort stattfindenden Fluxus-Events teil, in New Brunswick richtete er seine Liegezeremonie und in New York die Schwierige Zeremonie aus. Maciunas bereitete die Herausgabe Knížáks gesammelter Werke als Fluxus-Edition vor, die allerdings nie erschien.

1970 kehrte Knížák in die Tschechoslowakei zurück. Er wurde immer wieder polizeilich überwacht und inhaftiert. 1979 reiste er als Stipendiat des Künstlerprogramms des DAAD nach Berlin und war daraufhin in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland präsent. Seit 1990 lehrt Knížák an der Akademie der Bildenden Künste in Prag. Seit 1999 ist er Direktor der Nationalgalerie Prag.

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