Fluxus East

Fluxus-Netzwerke in Mittelosteuropa

Henie Onstad Kunstsenter | Sonja Henies vei 31 | 1311 Høvikodden | 28. Oktober 2010 – 27. Februar 2011 (vorläufig)

Gábor Altorjay

1946 geboren in Budapest, Ungarn
Lebt in Hamburg

Gábor Altorjay begann 1965 ein Studium an der Theologischen Akademie in Budapest und entging so dem Militärdienst. Früh interessierte er sich für die polnische Avantgarde, lernte aus diesem Grund Polnisch und fuhr unter anderem zum Musikfestival Warschauer Herbst 1965. Zusammen mit Tamás St. Auby und Miklós Erdély führte er 1966 mit Das Mittagessen – In Memoriam Batu Kán das erste ungarische Happening durch. Außerdem gab er die Samizdat-Zeitschrift Laura heraus, die jeweils auf einer Rolle von einem Meter Nachrichten aus der Zukunft präsentierte. Zu dieser Zeit begann Altorjay auch eine rege Korrespondenz mit Künstlern außerhalb Ungarns wie Dick Higgins und Wolf Vostell, der die Partitur zu einem Aktionskonzert Altorjays in einer Ausgabe der dé-coll/age von 1967 veröffentlichte. Wegen seiner Aktivitäten geriet er in das Visier der ungarischen Staatssicherheitsbehörden, vor denen er nach immer neuen Repressionen (Verhöre, Hausdurchsuchungen, Passbeschlagnahmungen) im September 1967 nach Westeuropa flüchtete.

In Deutschland kam Altorjay mit Künstlern aus dem Fluxus-Umfeld über den Sammler Hanns Sohm in Kontakt. Im Oktober 1967 wirkte er bei einem Happening mit Bazon Brock in Stuttgart mit. In Köln gründete er mit Mauricio Kagel, Wolf Vostell und anderen die Lebens- und Ausstellungsstätte Kombinat 1. Der von Dick Higgins geprägte Begriff „Intermedia” wurde für ihn und seine Arbeit maßgebend. 1969 begann Altorjay mit der Produktion von Hörspielen und Features für verschiedene Radiosender. Bei der im Oktober 1970 in der im Kölnischen Kunstverein veranstalteten Ausstellung happening & fluxus erklärte er mit einem Flugblatt im Namen der „ungarischen Fraktion”: „Happening beginnt für uns, wo Kunst aufhört! – Wir machen nicht mit!” Seit den 1980er Jahren beschäftigte sich Altorjay vor allem mit Film als Regisseur und Drehbuchautor. Sein Langzeitprojekt ist die Übersetzung des Romans Karneval von Béla Hamvas.

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