Fluxus East

Fluxus-Netzwerke in Mittelosteuropa

Henie Onstad Kunstsenter | Sonja Henies vei 31 | 1311 Høvikodden | 28. Oktober 2010 – 27. Februar 2011 (vorläufig)

Azorro

2001 gegründet von Oskar Dawicki, Igor Krenz, Wojciech Niedzielko und Łukasz Skąpski
Leben in Warschau und Krakau

Azorro arbeiten vor allem mit dem Medium Video. Eines ihrer großen Themen sind ironische Betrachtungen zum hyperventilierten Kunstsystem mit all seinen Akteuren: Künstlern, Kuratoren, Werken und Institutionen. So in den Arbeiten: Portrait with a Curator, End of Art und The Best Gallery (alle 2002) oder Smart – Stop making Art (2004). Ein Beispiel dafür ist We like it a lot (2001): Mit diesem Film nimmt Azorro den Kunstdiskurs auf die Schippe, indem sie in Warschau eine Galerie nach der anderen (von der legendären Galeria Foksal, dem Zentrum für Zeitgenössische Kunst, bis hin zur Ethno-Kitsch-Galerie) aufsuchen und dies stets in großer Redundanz mit dem Satz „es gefällt mir sehr” kommentieren und so subtil Kritik durch absolute Affirmation üben. Ein Statement zur in Polen immer wieder vorkommenden Kunstzensur machen sie mit Is Artist Allowed to do Anything? (2002); hier werden minimale und alltägliche Übertretungen des „guten Benehmens” (wie das Spucken von einer Brücke, bei Rot über die Ampel zu gehen und laut „Scheiße” zu sagen) zum Kommentar über einen Kunst-Zensur-Skandal. Mit charmantem Sarkasmus hinterfragen Azorro etablierte Normen und bewegen die Zuschauer zur kritischen Reflexion.

Schauspielerische Begabung, naiver Gestus und der Sinn für Absurdes sind dabei wichtige Elemente. Neben gemeinsamen Aktionen sind die vier Künstler auch einzeln überaus erfolgreich.

In vielen Arbeiten von Azorro lässt sich eine fluxus-verwandte Geisteshaltung ausmachen. Dazu gehört das Wissen um den „burn-out” der zeitgenössischen Kunst: mit Everything Has Been Done thematisieren sie die Situation des Künstlers, nachdem die Kunst bereits sämtliche Grenzen ausgelotet und alle nur denkbaren Wege beschritten hat. Aber auch die performative Gruppenaktivität, die zumeist Ergebnis von Improvisationen ist, referiert auf Fluxus und Aktionskunst im Allgemeinen.

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