Fluxus East

Fluxus-Netzwerke in Mittelosteuropa

Henie Onstad Kunstsenter | Sonja Henies vei 31 | 1311 Høvikodden | 28. Oktober 2010 – 27. Februar 2011 (vorläufig)

Robert Filliou

1926 geboren in Sauve, Frankreich
1987 gestorben in der Dordogne

Robert Filliou wanderte nach Kriegsende in die USA aus und studierte dort Wirtschaftswissenschaften an der University of California in Los Angeles. Nach 1954 lebte er als Schrifsteller zunächst in Japan, Ägypten, Spanien und Dänemark. Seine Rückkehr nach Frankreich erfolgte 1959, um diese Zeit entstanden auch erste Aktionsgedichte und längere Dramen, ein Jahr später erste visuelle Text-​Collagen. 1961 stellte er seine Arbeiten in der von Arthur Köpcke betriebenen Galerie in Kopenhagen vor. Im Januar 1962 gründete Filliou seine, aus einer Mütze bestehende Galerie Légitime, mit der er Ende 1962 am Londoner Festival of Misfits teilnahm. Dort traf er mit vielen Künstlern aus dem Fluxus-Umfeld zusammen. Es folgten zahlreiche Beteiligungen an Fluxus-Festivals und gemeinschaftliche Arbeiten mit Fluxus-Künstlern, insbesondere mit Emmett Williams – beide waren Co-​Erfinder des Spaghetti-Sandwichs – und George Brecht. Mit Brecht betrieb Filliou zwischen 1965 und 1968 den Laden La cédille qui souri in Villefranche-sur-Mer, in dem neben Spielen auch künstlerische Arbeiten verkauft wurden. Dieser Laden wurde zu einem Internationalen Zentrum für permanente Kreation: Kunst wurde mit Alltäglichem verbunden, die Gleichwertigkeit aller kreativen Produkte deklariert. In diesem Zeitraum formulierte Filliou auch seine Prinzipien einer poetischen Ökonomie. Die daraus entwickelten Konzepte Äquivalenz und Permanente Kreation stellte er 1972 u.a. auf der documenta 5 in Kassel vor. 1974 war er Gast des DAAD in Berlin. 1976 fand eine Ausstellung seines gemeinsam mit Joachim Pfeufer gestalteten Poipoidromes im Budapester Klub junger Künstler statt. Darüber hinaus korrespondierte Filliou mit der Warschauer Galerie Foksal über eine Ausstellung, die allerdings nicht realisiert wurde.

Seinen Filmen, die er in den 1960er Jahren drehte, folgten ab 1977 eine Reihe von Videoarbeiten. Filliou arbeitete 1980 als Gastprofessor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 1982 war er erster Preisträger des Kurt-​Schwitters-​Preises der Stadt Hannover. 1984 zog sich Filliou in ein buddhistisches Kloster in der Dordogne zurück, wo er 1987 starb.

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