Fluxus East

Fluxus-Netzwerke in Mittelosteuropa

Henie Onstad Kunstsenter | Sonja Henies vei 31 | 1311 Høvikodden | 28. Oktober 2010 – 27. Februar 2011 (vorläufig)

Július Koller

1939 geboren in Piešťany, Slowakei
2007 gestorben in Bratislava

Július Koller studierte von 1959 bis 1965 Bild und Repräsentation an der Akademie für Bildende Kunst in Bratislava. Als Student malte er Stadtlandschaften und Raumanalysen, kurze Zeit später fand er Interesse an den internationalen Strömungen, die an Dada und Marcel Duchamp anknüpften: am Nouveau Réalisme, Happening, Fluxus und an der Situationistischen Internationale. Seit Mitte der 1960er Jahre entwickelte Koller ein völlig eigenständiges und stringentes Werk, das er bis zu seinem plötzlichen Tod im August 2007 in aller Konsequenz fortsetzte.

1965 publizierte er sein Manifest Anti-Happening (System Subjektiver Objektivität) und begann mit einem Kinderdruckkasten Textkarten zu bedrucken, die in der Regel eine verneinende Haltung zur Kunst bekundeten. So druckte er Nicht-Einladungen zu Nicht-Ausstellungen und bedruckte Telegrammformulare mit umeNIE! (Keine Kunst!). In seiner nicht-künstlerischen Haltung steht er Fluxus nahe. 1970 lud Koller zu einer Ausstellung in eine Galerie, in der er und die Besucher Tischtennis spielen konnten – ohne jegliche Verfremdung oder besondere humoristische Aspekte (wie sie zum Beispiel dem von Maciunas entwickelten Flux Ping Pong eigen sind) begriff er das Ping-Pong-Spiel als kinetische Skulptur.

Ebenfalls seit 1970 ließ sich Koller einmal jährlich als U.F.O.-naut J.K. fotografieren, in der Überzeugung, dass Menschen nicht nur irdische, sondern auch außerirdische Wesen sind. In den Porträts kombinierte er sein Gesicht mit unterschiedlichsten Alltagsgegenständen – Tischtennis-​Bällen, Büchern, Pflanzen, Küchenutensilien –, das so zu einer irritierenden Erscheinung wird. Da er als U.F.O.-naut eine Galerie benötigte, gründete Koller 1981 die U.F.O.-Galerie Ganek, eine fiktive Galerie, die auf einem unzugänglichen Berggipfel der Hohen Tatra gelegen war und als Plattform für Kollers fiktive außerirdische Kultur dienen sollte. Kollers Arbeiten fanden vor allem im letzten Jahrzehnt zunehmend internationale Beachtung, dabei waren sie schon 1972 in Klaus Grohs Buch Aktuelle Kunst in Osteuropa vertreten.

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