Fluxus East

Fluxus-Netzwerke in Mittelosteuropa

Henie Onstad Kunstsenter | Sonja Henies vei 31 | 1311 Høvikodden | 28. Oktober 2010 – 27. Februar 2011 (vorläufig)

Vytautas Landsbergis

1932 geboren in Kaunas, Litauen
Lebt in Vilnius

Von 1950 bis 1955 studierte Landsbergis am Staatlichen Konservatorium in Vilnius, lehrte anschließend das Fach Klavier und promovierte 1969 über den litauischen Komponisten und Maler Mikalojus Konstantinas Čiurlionis, der synästhetisch Malerei mit Musik und Musik mit Malerei verband. Von 1978 bis 1990 war Landsbergis Professor an der Litauischen Musikakademie. Er war Gründungsmitglied der Bewegung Sąjūdis und als Präsident des Rekonstituierenden Parlaments der Republik Litauen von 1990 bis 1992 Staatsoberhaupt. Später war er von 1996 bis 2000 Parlamentspräsident und ist heute Mitglied des Europäischen Parlaments in Brüssel in der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) und europäischer Demokraten. Neben seiner politischen Arbeit ist Landsbergis Komponist und Interpret (insbesondere der Werke Čiurlionis) und Autor zahlreicher Bücher.

Als Kind war Vytautas Landsbergis mit dem späteren Fluxus-Initiator George (Jurgis) Maciunas befreundet. 1962 kam es durch einen Zufall zum erneuten Kontakt mit Maciunas, der inzwischen in New York beheimatet war. Es kam zu einer sporadischen Korrespondenz zwischen dem Čiurlionis-Spezialisten und dem Fluxus- „Vorsitzenden”, der dabei auch die Gelegenheit nutzte, seine kommunistisch durchdrungenen Ideen von Fluxus als für die Sowjetunion prädestinierte Kunstform zu verbreiten. Trotz geradezu gegensätzlicher künstlerischer Auffassungen griff Landsbergis Anregungen von Fluxus auf und organisierte 1966 gemeinsam mit Studenten ein Fluxus-Konzert als kabarettähnliche Veranstaltung am Pädagogischen Institut in Vilnius. Außerdem verwendete er die von Maciunas gesandten Materialien in Vorträgen über neue und neueste Musik. Landsbergis sandte darüber hinaus an Maciunas Ideen und Partituren für Events, von deren Aufführung im Rahmen von Fluxus-Konzerten Maciunas’ wiederum berichtet. Landsbergis beteiligte sich ebenfalls an Mieko Shiomis Spatial Poems und korrespondierte mit Ken Friedman.

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